Prinzipien der Osteopathie
Der Mensch ist eine Einheit
Viele Systeme wie beispielsweise Nervensystem, Hormonsystem, Bewegungsapparat, Organsysteme sind eng miteinander verflochten.
So können Änderung der Funktion des einen Systems auch alle anderen Bereiche beeinflussen.
In der Osteopathie wird der Mensch mit allen seinen Facetten und in allen Bereichen wahrgenommen.
So weiß man, dass Störungen eines Teilbereiches unter Umständen Symptome in einem ganz anderen Bereich entstehen lassen kann.
Jeder Mensch hat die Fähigkeit zur Selbstheilung und -regulation
Viele dieser zugrundeliegenden Mechanismen sind uns bekannt und werden heutzutage dennoch oft nicht beachtet und gewürdigt.
Wenn unser Immunsystem uns vor Bakterien, Pilzen und Viren schützt, oder aber der Körper Verletzungen wie Knochenbrüche, Bänderrisse oder Hautverletzungen heilt.
Der Körper verfügt über eine Vielzahl solcher Möglichkeiten. Hierzu zählen neben der Blutstillung unter anderem auch die natürliche Zellregeneration und unser Hormonsystem.
Funktion und Struktur beeinflussen sich wechselseitig
Es ist hinreichend bekannt, dass sich z.B. ein Muskel auf Trainingsbelastungen hin vergrößert oder aber die Anzahl der roten Blutkörperchen bei einem Aufenthalt im Gebirge zunimmt. Sportler machen sich das zu nutze.
Dies ist ein Beispiel wie die Funktion unsere Struktur beeinflusst und verändert. Aber auch die Struktur selbst bestimmt wiederum die Funktion des Organismus.
Lassen Sie mich hierfür die oben angeführten Beispiele umkehren:
Eine Zunahme des Muskelquerschnittes führt zu einer höheren Belastbarkeit. Er kann nun höhere Gewichtsbelastungen stemmen.
Und die höhere Konzentration roter Blutkörperchen ändert die Fähigkeit des Organismus Ausdauerbelastungen zu bringen.
In der Osteopathie wissen wir, dass wir über die Struktur die Funktion beeinflussen können, aber auch -innerhalb gewisser Grenzen- die Struktur des Körpers veränderbar ist, sobald sich die Funktion ändert.
Geschichte der Osteopathie
Die Osteopathie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den amerikanischen Arzt und Prediger A.T. Still begründet.
Nachdem er ansehen musste, wie vier seiner Kinder und seine erste Ehefrau an spinaler Meningitis starben, begann er an der damaligen Medizin zu zweifeln.
In der Folgezeit entwickelte er ein neues Verständnis von Gesundheit, das neben einem grundlegenden Verständnis von Anatomie und Physiologie auch ein tiefes Erfassen der belebten Natur beinhaltete.
Seiner Ansicht nach ist jeder Mensch im Grunde ein Ausdruck göttlicher Perfektion.
Auf dieser Grundlage hätte in einem Körper, in dem alle "Bausteine" an der richtigen Stelle sind und die Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe, Liquor, interstitielle Flüssigkeit) ungehindert zirkulieren können, Krankheit keine Möglichkeit zu entstehen.
Er richtete anfangs sein Augenmerk hauptsächlich auf das richtige Funktionieren der Knochen zueinander, wobei sein Ansatz häufig als rein mechanisch fehlgedeutet wird.
Er arbeitete aber stets mit den inhärenten Kräften des Körpers und die Natur war sein Lehrer.
Zwischen 1920 und 1950 entwickelte sein Schüler W.G. Sutherland Ansätze zur Behandlung der Schädelsphäre (Osteopathie im kraniellen Bereich), indem er Stills Prinzipien auf die Knochen des Schädels und deren gelenkige Verbindungen übertrug.
Erst in den 1980er Jahren erweiterte der französische Osteopath J.P. Barral und sein Kollege J. Weischenck das Konzept der Osteopathie um den viszeralen Bereich.
Dabei erforschten sie das Bewegungsverhalten der inneren Organe und entwickelten Untersuchungs- und Behandlungstechniken zur Wiederherstellung und Verbesserung der Mobilität der Organe zueinander und in Relation zum restlichen Körper.
Die Säulen der Osteopathie
Die drei aufgelisteten Bereiche, an denen die Osteopathie ansetzt, werden in der osteopathischen Sitzung untersucht und Auffälligkeiten entsprechend behandelt.
Parietale Osteopathie
Hierbei handelt es sich um den großen Bereich des Bewegungsapparates, wie Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln und Sehnen.
Viszerale Osteopathie
Dies ist der Organbereich mit unserem Herz-Kreislauf-System, den Lungen und allen anderen inneren Organen, wie Verdauungstrakt, Leber, Nieren usw.
Craniosacrale Osteopathie
Von außerordentlicher Bedeutung ist auch der hier genannte Bereich des Nervensystems. Es handelt sich dabei um das Nervensystem an sich (Gehirn, Rückenmark, periphere Nerven und vegetatives/unbewusstes Nervensystem) und alle umgebenden bindegewebigen Strukturen, wie Hirn- und Rückenmarkshäute und auch der Liquor (Nervenwasser)
Osteopathie in Deutschland
In Deutschland gilt die Osteopathie als Heilkunde. Daher dürfen nur Ärzte und Heilpraktiker die Osteopathie eigenverantwortlich ausüben. Die Osteopathie ist rechtlich nicht geschützt, weshalb es auch noch keine gesetzlich geregelten und verbindlichen Ausbildungskriterien gibt.
Eine bundesweit einheitliche Regelung der Ausbildungsstruktur und eine staatliche Anerkennung des Berufes Osteopath als Heilberuf ist eines der obersten Ziele des
Grenzen der Osteopathie
Wie bei allen anderen Therapieformen handelt es sich auch bei
der Osteopathie um kein Allheilmittel. Die Grenzen der
Osteopathie liegen zunächst immer dort, wo die
Regenerationsfähigkeit des Körpers nicht mehr zur
Wiederherstellung der Funktion ausreicht.
Desweiteren gehören alle Notfallsituationen wie
beispielsweise ein akuter Herzinfarkt oder Schlaganfall und
alle schweren Pathologien wie Tumorerkrankungen oder akute
Infektionskrankheiten in die Hände eines Arztes.
Ob zu einem späteren Zeitpunkt die Osteopathie als
ergänzende Therapieform zur herkömmlichen Versorgung
sinnvoll ist, muss im Einzelfall und ggf. nach
Rücksprache mit dem behandelnden Arzt geprüft werden.